Kulturwerk der Banater Schwaben

Kevin Back, Kulturreferent des Kulturwerks Banater Schwaben, im Interview

„Kulturerbe zu bewahren, bedeutet mir viel“

Hier ist zusammengekommen, was zusammengehört. Ein Sohn von Banater Schwaben, der sich aus Interesse an der Heimat seiner Vorfahren im Studium intensiv mit der Geschichte des Banats beschäftigt und eigens dafür Rumänisch gelernt hat, kann nun sein Wissen für die Belange der Banater Schwaben einsetzen – als Referent des neu gegründeten Kulturwerks. Kevin Back kommt aus Villingen-Schwenningen in Baden-Württemberg. Seine Mutter stammt aus Lenauheim, sein Vater aus Grabatz.  Der 28-Jährige hat in Freiburg Geschichte und Politikwissenschaft studiert. Er ist ehrenamtlich im Vorstand der Heimatortsgemeinschaft Lenauheim aktiv.

Mit Kevin Back sprach Luise Frank.

Welche Aufgaben haben Sie als Referent des Kulturwerks der Banater Schwaben?

Meine Hauptaufgabe ist die Bearbeitung der Förderanträge. Eingehende Anträge gehe ich durch und gebe sie an den Vorstand weiter. Nach der Entscheidung bearbeite ich sie weiter. Hinzu kommen natürlich noch Verwaltung und Finanzen. Auch die Organisation von Veranstaltungen gehört zu meinen Aufgaben, ist aber leider pandemiebedingt bisher nicht möglich gewesen. Außerdem bin ich für die Beratung unserer ehrenamtlich Tatigen und für Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Sie entspricht absolut meinen Interessen! Und es ist sehr reizvoll, hier von Anfang an dabei zu sein und alles mit aufzubauen. Das Kulturerbe der Banater Schwaben zu bewahren, bedeutet mir persönlich sehr viel.

Welchen beruflichen Hintergrund bringen Sie mit?

Ich habe in Freiburg Geschichte und Politikwissenschaften studiert und habe mich – soweit möglich – im Rahmen des Studiums mit dem Banat und seiner Geschichte beschäftigt. Deshalb habe ich auch ab dem ersten Semester Rumänisch gelernt. Neben dem Studium habe ich im Institut für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europa (IVDE) in Freiburg gearbeitet. 2019 habe ich eine Forschungsreise ins Banat gemacht, war aber schon früher immer wieder mit meiner Familie dort. Meine Masterarbeit habe ich dann über die Darstellung des Banats im sogenannten Kronprinzenwerk „Die Österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild“ geschrieben, das auf Anregung und unter Mitwirkung von Erzherzog Rudolf entstanden ist.

Sie gehören der zweiten Generation an, sind hier in Deutschland geboren und aufgewachsen. Welchen Bezug haben Sie zum Banat?

Es fing mit Erzählungen an:   Im Banat war das so; damals hat man das so und so gemacht. Irgendwann dachte ich: Darüber will ich mehr wissen. Wie hat meine Familie im Banat gelebt? Warum sind die Vorfahren dorthin ausgewandert? Und warum sind die Banater Schwaben heute nicht mehr dort?Aus Interesse an meiner eigenen Biografie wurde historisches Interesse. Aus diesem Interesse heraus habe ich auch meine Studienfächer gewählt. Und wenn sich die beruflicheMöglichkeit nicht ergeben hätte, hätte ich mich in meiner Freizeit weiter damit beschäftigt.

Danke für das Gespräch und viel Erfolg in Ihrer neuen Aufgabe!

 

Kevin Back, der neue Kulturreferent des Kulturwerks Banater Schwaben

 

 

Weichen für Förderprojekte sind gestellt

Es kann losgehen! Diese erfreuliche Botschaft konnte das neu gegründete Kulturwerk der Banater Schwabenbei einer ersten Informationsveranstaltung verkünden. Sie fand im Juli im Sudetendeutschen Haus in München statt, eine Reihe von Teilnehmern war zusätzlich per Videokonferenz zugeschaltet. Auch das Vorstandsteam rund um den Vorsitzenden Bernhard Fackelmann und seine beiden Stellvertreter Hella Gerber und Anton war fast vollzāhlig anwesend. Eingeladen waren die Vorsitzenden der Heimatortsgemeinschaften und Kreisverbānde. 

Das in diesem Jahr aus der Taufe gehobene Kulturwerk der Banater Schwaben Bayern hat die Aufgabe, nach Paragraf 96 des Bundesvertriebenengesetzes die Kultur und die Traditionen der Banater Schwaben zu bewahren (wir berichteten). Dafür stellt der Freistaat Bayern 300 000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Bernhard Fackelmann blickte zurück auf den Beginn der Gespräche mit der Bayerischen Staatsregierung 2018. Seitdem ist eine Menge passiert, davon konnten sich die anwesenden und zugeschalteten Gäste selbst überzeugen: Die Vereinsgründung und die Wahl eines Vorstandes wurden über die Būhne gebracht, eine Satzung erstellt, der neu gegrūndete „e.V.“ ins Vereinsregister eingetragen und ein Konto eingerichtet. Zudem wurde mit Kevin Back ein Referent eingestellt, der in der Münchner Bundesgeschäftsstelle der Landsmannschaft für die Belange des Kulturwerks zuständig ist. Zudem hat der stellvertretende Vorsitzende Anton Sterbling Antragsformulare erstellt zur Beantragung von Fördermitteln. Wie diese Beantragung abläuft und was beachtet werden muss, erläuterte Bernhard Fackelmann. Im Zentrum stand natürlich die Frage: Was wird gefördert und wie läuft die Antragstellung ab? Fackelmann erklärte zunächst, dass nach den Ausgaben für das Gehalt des Referenten und einer Assistentin in Teilzeit sowie für deren Ausstattung noch rund 200 000 Euro für das laufende Jahr zu vergeben seien. „Dieses Geld steht euch zur Verfügung“, betonte Fackelmann und ermunterte die Kreisverbānde und Heimatortsgemeinschaften, Förderungen zu beantragen, denn nicht genutzte Gelder gehen an den Freistaat Bayern zurück.

Was also kann gefördert werden? Zunächst muss die Veranstaltung in Bayern stattfinden oder einen Bezug zu Bayern haben, da die Förderung von der Regierung dieses Bundeslandes kommt. Des Weiteren muss mindestens eines der folgenden Gebiete abgedeckt sein: Geschichte, Erinnerungskultur, Lebenswelt, Kirche, Kunst, Integration, Brauchtum oder Jugendarbeit. Auch ein HOG-Treffen könne nun finanziell gefördert werden, erläuterte der Vorsitzende, wenn kulturelle Elemente wie der Auftritt von Trachtenpaaren oder einer Musikkapelle integriert würden. Förderanträge könnten, so erklärte Fackelmann, von den Gliederungen der Landsmannschaft wie den Heimatortsgemeinschaften und den Kreisverbänden, aber auch von Mitgliedern des Kulturwerks gestellt werden. Beitrittsanträge und Förderanträge sowie ein Merkblatt für das Ausfüllen und die genaue Abwicklung der Förderung können demnächst auf der neuen Website des Kulturwerks heruntergeladen werden: www.kulturwerk-bsb.de. Zusätzlich wurden die Antragsformulare und das Infoblatt bereits an die HOGs und die Kreisverbānde verschickt.

Der Vorsitzende des Kulturwerks beantwortete noch mehrere Fragen, zum Beispiel nach einem guten Zeitpunkt für die Beantragung von Fördergeldern. Hier wies Fackelmann darauf hin, dass Anträge rechtzeitig vor einer geplanten Veranstaltung gestellt werden sollten. Eine Förderung im Nachhinein sei in der Regel nicht möglich. Die Formulare sind so einfach wie möglich gestaltet, um eine unbürokratische Abwicklung zu ermöglichen.

Bei weiteren Fragen stehen der Vorsitzende des Kulturwerks oder der Referent Kevin Back gerne zur Verfügung. 

                                                                                                                                       Luise Frank

Bei der Infoveranstaltung am 24. Juli in München anwesende Mitglieder des Vorstands des Kulturwerks Banater Schwaben mit dem neuen Kulturreferenten (von links): Nikolaus Dornstauder, Heidi Müller, Kulturreferent Kevin Back, Vizevorsitzende Dr. Hella Gerber, Vorsitzender Bernhard Fackelmann, Vizevorsitzender Dr. Anton Sterbling, Luise Frank, Jakob Lenhardt, Ramona Sobotta. 

Sitzung am 02.07.2021 im HDO in München

Gegründet am 6. November 2020