Kulturwerk der Banater Schwaben

Bernhard Fackelmann, Vorsitzender des Kulturwerks Banater Schwaben, im Interview

 „Blicken zuversichtlich in die Zukunft!“

Herr Fackelmann, Sie sind vielen in der Landsmannschaft schon bestens bekannt durch Ihre zahlreichen Ehrenämter…

Das stimmt. lch bin Vorsitzender der Heimatortsgemeinschaft Sanktmartin, Kreisvorsitzender der Banater Schwaben und des BdV München und stellvertretender Landesvorsitzender des BdV Bayern. 

Dürfen wir Sie den Landsleuten, die Sie noch nicht kennen, kurz vorstellen? 

Ich komme aus Sanktmartin, Jahrgang 1950, und habe im Banat das Wirtschaftsgymnasium und das Polytechnikum für Handel besucht. 1980 bin ich nach Deutschland gekommen und lebe seitdem in München.  lch bin verheiratet und habe eine Tochter.

Was hat Sie bewogen, noch ein weiteres, arbeitsintensives Ehrenamt anzunehmen?

Eigentlich wollte ich nur mithelfen, wurde aber als Vorsitzender gewählt wegen meiner Erfahrung aus den Aktivitäten der Landsmannschaft, des BdV und nicht zuletzt meinen guten Beziehungen zur bayerischen Staatsregierung und zum Sozialministerium. Es ist für mich eine besondere Herausforderung, mich einer Aufgabe zu widmen, die sich mit der Förderung der vielfältigen Kultur der Banater Schwaben beschäftigt und Bildungsprojekte auf den Weg bringt.

Was erwarten Sie sich vom Kulturwerk? Was soll es bewirken?

Der Zweck des Vereins ist gemeinnützig: Er fördert die Pflege und die Vermittlung der Geschichte, Kultur und des Brauchtums der Banater Schwaben und deren Nachkommen, zum Beispiel durch Vorträge, Seminare und kulturelle Veranstaltungen. Außerdem fördert das Kulturwerk die kulturell-gesellschaftliche Eingliederung von Spätaussiedlern. Mit diesem Vereinszweck verbinde ich die Hoffnung, dass wir alle gemeinsam Geschichte, Kultur und Brauchtum der Banater Schwaben dokumentieren, pflegen und vermitteln können. Und ich möchte unser kulturelles Erbe in die gesamtdeutsche Kultur in Bayern einbringen. Das kann durch öffentliche Veranstaltungen und Publikationen geschehen. Mit Angeboten, die sich gezielt an junge Menschen wenden, möchte ich gerade die Jugendlichen bestärken, sich mit dem Kulturerbe der Banater Schwaben zu beschäftigen.

Welche Schwerpunkte möchten Sie in Ihrer Arbeit als Vorsitzender setzen? Was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Was mir an Herzen liegt: die Förderung der vielfältigen Arbeit der Heimatortsgemeinschaften, der Kreis-und Kulturgruppen aus Bayern. Eine besondere Bedeutung hat für mich die Förderung der Jugendarbeit sowie gemeinsame Bildungsarbeit für Projekte mit Schulen in Bayern und im Banat, aber auch der Austausch mit Verbänden und Kulturschaffenden in Bayern und im Banat. Es steht uns in den nächsten Jahren eine große Summe zur Verfügung, nämlich 300 000 Euro jährlich. Davon profitieren können alle Mitglieder der Banater Verbände in Bayern. Gleichzeitig profitieren alle Banater Schwaben, die immer zu unseren Veranstaltungen eingeladen und dabei sind. Profitieren kann insbesondere die junge Generation, die so die Geschichte ihrer Vorfahren kennenlernen und deren Erbe bewahren kann.Die Fördergelder sollen eine Stütze der Kulturpflege und deren Sicherung für die Zukunft sein. 

Wie ist Ihr erstes Resümee als Vorsitzender?  Ist das Kulturwerk trotz der pandemiebedingten Einschränkungen gut gestartet? 

Die Gründung des Vereins 2020, die vielseitige Arbeit, die bewältigt wurde. – von, allen Mitgliedern des Vorstandes – stimmt mich sehr optimistisch. Mein großer Dank geht an das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, an den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder und an Sylvia Stierstorfer, die Beauftragte für Aussiedler und Vertriebene der Bayerischen Staatsregierung. Sie haben das alles erst möglich gemacht. Mein Dank gilt auch dem Haus des Deutschen Ostens in München, das uns immer wieder unterstützt hat. Besonders hervorheben möchte ich den BdV-Präsidenten Dr. Bernd Fabritius, der seine ganze Kraft für unsere finanzielle Unterstützung bei der bayerischen Regierung eingesetzt hat. Durch die Corona-Pandemie sind unsere kulturellen Aktivitäten für 2021 zwar gebremst worden, wir blicken aber zuversichtlich in die Zukunft.

(Interview: Luise Frank)

DR. DES. MICHAEL T. NUSSER KULTURREFERENT / LEITER

„Bayerns Aufgabe als Brücke aktueller denn je“

„Unsere Vorfahren waren Donauschwaben“, begann mein Großvater vor wenigen Jahren zu erzählen. Da er bis dahin kaum über die Familienvergangenheit geredet hatte, kam diese Information überraschend. Es war jedoch ein fruchtbarer Boden, auf den sie fiel. Geboren 1993 in München, absolvierte ich von 2015 bis 2018 mein Masterstudium im Bereich der Osteuropastudien an der LMU in München. Hatte ich mich bereits lange zuvor für Geschichte und Politik speziell mit Blick auf das östliche Europa erwärmt, standen nun im Studium der historisch russische Raum sowie Südosteuropa im Vordergrund. Dabei rückten neben den verschiedenen Verflechtungen mit meiner bayerischen Heimat die dortigen deutschen Siedlungsgebiete, insbesondere im Russischen Imperium und im Königreich Ungarn, ins Zentrum. Im Rahmen dieser Schwerpunktsetzung eignete ich mir neben der russischen Sprache auch Kenntnisse des Ungarischen an, wofür mich der Weg länger nach Szeged und bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal ins Banat, nach Temeswar, führte. In den Jahren 2018 bis 2022 schloss ich, gefördert durch ein Stipendium der Hanns-Seidel-Stiftung, erfolgreich meine Promotion ab. Die Doktorarbeit befasste sich mit der Rolle Bayerns in der europäischen Politik in den Jahren 1918 bis 1933. Dabei zeigte sich, dass bereits in dieser Zeit die Vorstellung verbreitet war, Bayern habe eine historische Aufgabe als deutsche Brücke in den Südosten Europas zu erfüllen – eine Überzeugung, die meines Erachtens nicht an Aktualität verloren, sondern im Gegenteil durch die Geschehnisse nach 1945 verstärkt an Bedeutung gewonnen hat. Direkt nach der Fertigstellung der Doktorarbeit trat ich von Juni 2022 bis Januar 2023 eine Vertretungsstelle in der Kultur- und Bildungsarbeit des Hauses des Deutschen Ostens in München an. Als bekannt wurde, dass die Stelle des Kulturreferenten und Leiters des Kulturwerks Banater Schwaben e.V. zur Ausschreibung stände, beschloss ich umgehend, mich zu bewerben. Auch wenn meinem Großvater leider nichts Genaueres über die donauschwäbischen Wurzeln bekannt ist und die künftige Nachforschung mir überlassen bleibt, bringe ich ein tiefes Interesse speziell für das Banat und dahingehend Begeisterung und Einsatzbereitschaft mit. Zu meiner Freude erhielt ich positive Rückmeldung. Bevor ich nun die Stelle des Kulturreferenten und Leiters des Kulturwerks Banater Schwaben e.V. zum 16. Februar 2023 antrat, bekam ich den Monat zuvor die Chance, für die Landsmannschaft der Banater Schwaben in der Geschäftsstelle tätig zu sein und mich dabei gleichzeitig für die jetzigen Aufgaben vorzubereiten. Es wird mir nun eine Freude und auch Ehre sein, daran mitzuwirken, das Erbe des Banater Schwabentums für sich und für die gesamtdeutsche Kulturwelt zu bewahren. Nur durch seine aktive Vermittlung insbesondere an die jüngere Generation in Bayern und im Banat kann es gelingen, seine Lebendigkeit für die Zukunft zu sichern.  (Banater Post Jg. 67, Nr. 4, vom 20.02.2023)

Weichen für Förderprojekte sind gestellt

Es kann losgehen! Diese erfreuliche Botschaft konnte das neu gegründete Kulturwerk der Banater Schwabenbei einer ersten Informationsveranstaltung verkünden. Sie fand im Juli im Sudetendeutschen Haus in München statt, eine Reihe von Teilnehmern war zusätzlich per Videokonferenz zugeschaltet. Auch das Vorstandsteam rund um den Vorsitzenden Bernhard Fackelmann und seine beiden Stellvertreter Hella Gerber und Anton war fast vollzāhlig anwesend. Eingeladen waren die Vorsitzenden der Heimatortsgemeinschaften und Kreisverbānde. 

Das in diesem Jahr aus der Taufe gehobene Kulturwerk der Banater Schwaben Bayern hat die Aufgabe, nach Paragraf 96 des Bundesvertriebenengesetzes die Kultur und die Traditionen der Banater Schwaben zu bewahren (wir berichteten). Dafür stellt der Freistaat Bayern 300 000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Bernhard Fackelmann blickte zurück auf den Beginn der Gespräche mit der Bayerischen Staatsregierung 2018. Seitdem ist eine Menge passiert, davon konnten sich die anwesenden und zugeschalteten Gäste selbst überzeugen: Die Vereinsgründung und die Wahl eines Vorstandes wurden über die Būhne gebracht, eine Satzung erstellt, der neu gegrūndete „e.V.“ ins Vereinsregister eingetragen und ein Konto eingerichtet. Zudem wurde mit Kevin Back ein Referent eingestellt, der in der Münchner Bundesgeschäftsstelle der Landsmannschaft für die Belange des Kulturwerks zuständig ist. Zudem hat der stellvertretende Vorsitzende Anton Sterbling Antragsformulare erstellt zur Beantragung von Fördermitteln. Wie diese Beantragung abläuft und was beachtet werden muss, erläuterte Bernhard Fackelmann. Im Zentrum stand natürlich die Frage: Was wird gefördert und wie läuft die Antragstellung ab? Fackelmann erklärte zunächst, dass nach den Ausgaben für das Gehalt des Referenten und einer Assistentin in Teilzeit sowie für deren Ausstattung noch rund 200 000 Euro für das laufende Jahr zu vergeben seien. „Dieses Geld steht euch zur Verfügung“, betonte Fackelmann und ermunterte die Kreisverbānde und Heimatortsgemeinschaften, Förderungen zu beantragen, denn nicht genutzte Gelder gehen an den Freistaat Bayern zurück.

Was also kann gefördert werden? Zunächst muss die Veranstaltung in Bayern stattfinden oder einen Bezug zu Bayern haben, da die Förderung von der Regierung dieses Bundeslandes kommt. Des Weiteren muss mindestens eines der folgenden Gebiete abgedeckt sein: Geschichte, Erinnerungskultur, Lebenswelt, Kirche, Kunst, Integration, Brauchtum oder Jugendarbeit. Auch ein HOG-Treffen könne nun finanziell gefördert werden, erläuterte der Vorsitzende, wenn kulturelle Elemente wie der Auftritt von Trachtenpaaren oder einer Musikkapelle integriert würden. Förderanträge könnten, so erklärte Fackelmann, von den Gliederungen der Landsmannschaft wie den Heimatortsgemeinschaften und den Kreisverbänden, aber auch von Mitgliedern des Kulturwerks gestellt werden. Beitrittsanträge und Förderanträge sowie ein Merkblatt für das Ausfüllen und die genaue Abwicklung der Förderung können demnächst auf der neuen Website des Kulturwerks heruntergeladen werden: www.kulturwerk-bsb.de. Zusätzlich wurden die Antragsformulare und das Infoblatt bereits an die HOGs und die Kreisverbānde verschickt.

Der Vorsitzende des Kulturwerks beantwortete noch mehrere Fragen, zum Beispiel nach einem guten Zeitpunkt für die Beantragung von Fördergeldern. Hier wies Fackelmann darauf hin, dass Anträge rechtzeitig vor einer geplanten Veranstaltung gestellt werden sollten. Eine Förderung im Nachhinein sei in der Regel nicht möglich. Die Formulare sind so einfach wie möglich gestaltet, um eine unbürokratische Abwicklung zu ermöglichen.

Bei weiteren Fragen stehen der Vorsitzende des Kulturwerks oder der Referent Kevin Back gerne zur Verfügung. 

                                                                                                                                       Luise Frank

Bei der Infoveranstaltung am 24. Juli in München anwesende Mitglieder des Vorstands des Kulturwerks Banater Schwaben mit dem neuen Kulturreferenten (von links): Nikolaus Dornstauder, Heidi Müller, Kulturreferent Kevin Back, Vizevorsitzende Dr. Hella Gerber, Vorsitzender Bernhard Fackelmann, Vizevorsitzender Dr. Anton Sterbling, Luise Frank, Jakob Lenhardt, Ramona Sobotta. 

Sitzung am 02.07.2021 im HDO in München

Gegründet am 6. November 2020